1. Kurzbeschreibung des Elements:

Die Wirlinger Böllerschützen üben den uralten Brauch und Kunst des Böllerschießens aus. Nach mündlich tradierten Regeln werden zu weltlichen und kirchlichen Festen und Anlässen Böller abgeschossen. Diese Böllertradition unterscheidet sich bewusst von den Prangerschützen, sowohl beim Geschütz, als auch in der Art des Auftretens und der Schusstradition.

Die Aufstellung der Böller erfolgt an geeigneten Plätzen in der Nähe der (Fest)Veranstaltung oder wie bei den Rauhnachtsschießen seit vielen Generationen am fixen Platz des "Beriga – Gutes" in Wirling, Gemeinde St. Wolfgang. Dieser Platz wird so gewählt, dass das Zusammenspiel zwischen Schuss und den nachfolgenden Echos (grollen) einerseits, und dem Anlass (z.B. Hochzeit) andererseits am besten funktioniert.

Um dem strengen Pyrotechnikgesetz Rechnung zu tragen wurde ein eigenes Geschütz entwickelt und in Ferlach zertifiziert. Damit konnte der einzige österreichische Böllerschützenverein die Böllertradition in der Wolfgangseeregion fortsetzen.

2. AntragsstellerInnen

Verein Traditionsschützen Wirling, Obmann Plamberger Matthias, Wirling 16, 5351 St. Wolfgang.

3. Name des Elements

Wirlinger Traditionsschützen

Böllerschützen

Hochzeitsschützen

Rauhnachtschützen

4. Beschreibung des Elements

(a) Heutige Praxis

Die Böllerschützen gestalten religiöse und weltliche Feste und Feiern mit, indem sie nach alten, mündlich überlieferten Regeln Böllerschüsse abfeuern. Am wichtigsten sind die (Mit)gestaltung von traditionellen Bauernhochzeiten, kirchlichen Festen und Umzügen, sowie die Rauhnachtsschießen.

An geeigneten Standorten (vorzüglich natürliche Anhöhen) werden die Böllergeschütze platziert und zu bestimmten, streng festgelegten Zeiten gezündet. Mit zum Schuss gehört das nachfolgende Echo aus den umliegenden Berghängen, welche das Hörerlebnis und die feierliche Gestaltung ausmachen.

Als genehmigtes und zertifiziertes Böllergeschütz dient ein von den Traditionsschützen Wirling selbst entwickeltes Geschütz. Es funktioniert ähnlich einem Gewehr. Die Zündung erfolgt über einen Hahn, der mit einem langen Seil betätigt wird.

(b) Entstehung und Wandel

Lärmbräuche mit Hilfe von Schießpulver gibt es, seit es das Schießpulver gibt. Kanonen, Gewehre und die weniger militärische Form des Böllers kündigten den Besuch von Würdenträgern, den Beginn und den Verlauf von Festen an, vertrieben das wilde Gjaid in den Rauhnächten oder wurden zur Ehrung bei Begräbnissen abgefeuert.

Im inneren Salzkammergut hat sich für diese Anlässe der Böller durchgesetzt. Als Böllergeschütz verwendete man unten verschlossene Eisenrohre verschiedener Größe. In diese wurde Schwarzpulver geschüttet, darauf kamen Papier und Sägespäne zum Verdichten. Schließlich wurde noch ein Stoppel aus Holz daraufgeschlagen. Die Öffnung zum Entzünden des Pulvers befand sich auf der Seite des Rohres. Hier war ein sogenanntes "Kederschüsserl" mit feinem Pulver angebracht. Beim Entzünden des Böllers wurde eine lange Holzstange verwendet, an deren Ende sich ein Stück dünnes, längliches Eisen befand, das bei einem Feuer zum Glühen gebracht wurde. Dieses glühende Eisen wurde in das "Kederschüsserl" gehalten, der Böller explodierte.

Die umliegenden Berge erzeugten ein Echo des Böllerknalls, welches je nach Entfernung lauter oder leiser, schneller oder länger verzögert erfolgte. Erst wenn das letzte Echo abgeklungen ist, also der Schuss rundum gegangen ist, darf der nächste Böller entzündet werden. Beim "Hauptstand" der Wirlinger Böllerschützen beim Beriga – Bauer dauert ein Schuss samt nachfolgendem Hall genau 12 Sekunden. Dieser Ort wird wegen seiner günstigen Lage (natürliche Anhöhe in der Nähe des GH Rega und der meisten Bauerngüter) bereits seit vielen Generationen als Hauptstand für Hochzeitsschießen in Wirling oder für Rauhnachtsschießen genutzt. Wird an anderen Stellen bei Hochzeiten geschossen, so muss genau auf die örtlichen Verhältnisse geachtet werden. Wird der folgende Schuss zu früh abgeschossen, also in den Schuss hineingeschossen, oder entsteht ein Loch, so sind keine guten Böllerschützen am Werk.

verhält es sich mit den Schusszeiten. Eine Hochzeit wurde um 4 Uhr früh mit 4 Böllerschüssen angekündigt. An jeder folgenden Stunde wurden bis zur Kirchfeier eine der Stunde entsprechende Anzahl an Schüssen abgegeben. Die Rauhnächte wurden pünktlich um 12 Uhr Mittags eingeschossen, die Nacht um 18 Uhr und der letzte Schuss erfolgte kurz vor 12 Uhr des nächsten Tages.

Alle diese Regeln und die Bedienung des Geschützes werden von Generation zu Generation mündlich weitergegeben.

Leider wurde mit den Böllern auch viel Unfug getrieben, was zu einer besorgniserregenden Anzahl von Zwischenfällen mit Personen- und Sachschaden und zum Teil zu schweren Unfällen führte. Aus diesem Grund führte die österreichische Regierung 1974 mit dem Pyrotechnik-Gesetz ein fast vollständiges Verbot des Hantierens mit Böllern ein, welches die für das Böllerschießen geltenden Polizeivorschriften ersetzte. Nur die Prangerschützen als brauchtumpflegende Gruppe sind von dem Verbot ausgenommen. Folglich entstanden auch im oberösterreichischen Salzkammergut die im Salzburger Flach- und Tennengau üblichen Prangerschützenvereine. Diese übernahmen aber nicht nur das Geschütz, sondern auch deren Bräuche für die Schussabfolgen.

Damit wäre die Böllertradition im Salzkammergut endgültig gestorben. Manche wollten diese Tradition nicht abreißen lassen und schossen illegal weiter. Die Wirlinger wollten aber ihre Tradition nicht in der Illegalität belassen und entwickelten ein Böllerabfeuerungsgerät, welches dem Gesetz der Pyrotechnik entsprach. Matthias Laimer entwickelte den ersten Prototyp und die Wirlinger ließen diesen 1989 vom Beschussamt in Ferlach überprüfen. Das Beschusszertifikat wurde zwar ausgestellt, doch die Sicherheitsdirektion in Linz stellte einen negativen Bescheid aus, weil das Laden des Böllers von oben erfolgte. Nach kleineren Anpassungen wurde das Geschütz 1990 genehmigt.

So entstand noch im selben Jahr mit den "Traditionsschützen Wirling" der einzige österreichische Verein, der offiziell Böller schießen darf und so diese uralte Tradition legal weiterleben kann.

5. Dokumentation des Elements

Das Element wurde ausschließlich mündlich weitergegeben. Einen filmischen Beitrag gibt es in:

"Traditionsschützen Wirling" www.stv1.at

6. Geographische Lokalisierung

Diese Tradition wird im inneren Salzkammergut, insbesondere die Region um den Wolfgangsee gepflegt. Dies umfasst die Gemeinden Bad Ischl, St. Wolfgang und Strobl.

7. Eingebundene Gemeinschaften, Vereine, Personen und Art ihrer Beteiligung

Pfarren St. Wolfgang und Pfandl, vertreten durch Dechant Monsignore Johannes Schlosser: Gestalter von kirchlichen Festen.

(Bäuerliche) Bevölkerung, Brautpaare, Vereine im Raum Bad Ischl, Strobl, St. Wolfgang, vertreten durch Labg. Bgm. Johannes Peinsteiner: Festveranstalter im öffentlichen und privaten Rahmen.

IKES: Immaterielles Kulturerbe Salzkammergut, Obmann Dr. Ludwig Wiener, Haiden 311, 5351 Aigen-Voglhub: Interessensvertreter des immateriellen Kulturgutes im Salzkammergut; Schnittstelle zu anderen Kulturträgern und Organisationen; Veranstalter von Symposien, Informations- und Diskussionsveranstaltungen über immaterielles Kulturgut; Multiplikator.

8. Risikofaktoren für die Bewahrung des Elements

Wie bereits erwähnt, wurde mit dem Pyrotechnikgesetz 1974 das Böllerschießen verboten. Verbotsauslösend waren Auswüchse: Böller und Pulver waren leicht zu erhalten und billig zu bedienen und fernab jeglicher traditionellen Gepflogenheiten wurde wild drauflosgeschossen. Unfälle und Beschwerden über eine unzumutbare Lärmbelästigung waren die Folge. Im Zuge der Normierung wurde die Schusstradition gleich mitverboten. Die Ausnahme der Prangerschützen hatte zur Folge, dass diese die Böllertradition in Geschütz und Ausübungsart ersetzten.

Weiters wird der Lärmbrauch durch immer billigeren Zugang in Form von Raketen und industriell hergestellten Kleinböllern von der Tradition losgelöst und erfährt eine nie dagewesene Mode. Bestes Beispiel sind die Rauhnächte: hier kann man kaum mehr einen Beginn und ein Ende einer Rauhnacht erkennen – es wird in der Weihnachtszeit fast durchgeballert. Ähnlich bei Hochzeiten: es wird geschossen, wann es einem gerade in den Sinn kommt – natürlich mit Feuerwerk, Kleinböllern oder Gaskanonen.

Im Zuge dieser "Mode" ist es möglich, dass die traditionellen Wurzeln des Böllerbrauches und die Botschaft, die sie vermitteln sollen, vergessen werden.

9. Bestehende und geplante Maßnahmen zur Erhaltung und kreativen Weitergabe des Elements, z. B. im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung, etc.

Mit der Aufnahme in die Liste als schützenswertes immaterielles Kulturerbe der UNESCO will man die Ursprünglichkeit, den Sinn, die Schönheit und die Eigenständigkeit der heimischen Böllerschützentradition hervorheben.

Mit der Gründung eines eigenen Traditionsschützenvereins ist die Bewahrung und Weitergabe der ausschließlich mündlichen Überlieferung des Böllerschützenbrauchs gut abgesichert. Dieser Verein ist auch im allgemeinen Gesellschaftsleben der Region eingebunden und kann sich so auch nach außen darstellen. Dadurch kann das Interesse für die Jugend geweckt und die Tradition weitergegeben werden.

1. Kurzbeschreibung des Elements:

Seit nachgewiesener Zeit von 120 Jahren hat sich in Ebensee ein eigentümlicher Faschingsbrauch entwickelt und erhalten: Der Fetzenzug am Faschingmontag.

Ob von den Ausseer „Flinserln“ abgeschaut oder als Parodie auf bürgerliches Faschingstreiben eingerichtet bleibt dahingestellt. Statt teure Stoffe und Edelsteine kleidete man sich in Ebensee jedenfalls in alte Frauenkleider, welche mit Stofffetzen und ähnlichem Zierrat geschmückt wurden. Gleichzeitig verdeckte man sich das Gesicht, um der Obrichkeit, den „geliebten“ Nachbarn und Verwandten endlich die Meinung sagen zu können.

Aus diesen als Fetzen bezeichneten Faschingsnarren formte sich ein Umzug, der von der Ortschaft Kohlstatt beginnend bis zum Rathaus der Marktgemeinde Ebensee führt. Heute ist dieser Umzug am Faschingmontag der Höhepunkt des ohnehin als heilig geltenden Ebenseer Faschingsgeschehens.

Heutzutage treffen sich am Faschingmontag beim Gasthaus Langbathtal (Neuhütte) die „Fetzen“. Diese tragen ein“ Fetzengewand“ aus alten Frauenkleidern, wo Lumpen („Fetzen“) aufgenäht werden. Der Kopf wird mit einem „Fetzenhut“ bedeckt: dieser Hut hat viele Gestalten, Grundlage ist entweder ein alter normaler Hut oder ein extra aus Karton und ähnlichen Materialien hergestellter. Verziert wir er mit Kunstblumen, bunte Stofffetzen, Stofftiere, Vogelkäfige, ausgestopfte Raubvögel und vielen anderen Accessoires, der Fantasie wird keine Grenzen gesetzt. Das Gesicht wird mit einer kunstvoll geschnitzten („geschnegerten“) Holzmaske („Larve“) verdeckt. In der Hand werden noch weitere Utensilien mitgeführt, wie ein alter zerrissener Regenschirm, Reisbesen u.a.

Seit 1954 begleiten den Fetzenzug die Pritschenmeister. Sie wurden als „Fetzenpolizei“ dem Zug vorangestellt, um Auswüchse und unsittliche Übergriffe zu vermeiden. Heute dienen sie dazu genügend Platz in der Zuschauermenge für den Fetzenzug zu schaffen. Diese einem Harlekin sehr ähnlich gekleideten Ordnungshüter, tragen eine „Holzpritsche“ mit sich, mit der sie sich den gehörigen Respekt verschaffen. Dahinter beginnt der eigentliche Zug mit einer örtlichen Musikkapelle (Fetzenmusi). Gespielt wird vorwiegend der „Parapluie-Marsch“, der als „Fetzenmarsch“ zur Hymne der Ebenseer Nationalfeiertage geworden ist. Der Musik folgt die als Fetzen verkleidete Ebenseer Bevölkerung.

Jetzt wird es wichtig, dass die Verkleidung den Träger tatsächlich unkenntlich macht, denn nun erfolgt der eigentliche Höhepunkt: Das “Austadeln“. Das Ziel, jedes einzelnen Fetzen ist es nämlich, den Leuten ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung die ungeschminkte Wahrheit und Meinung öffentlich in Erinnerung zu rufen. Das Wort wird nun zur Waffe. Was während des Jahres unterdrückt wurde, wird nun mit verstellter Stimme und spitzen Worten zum Ausdruck gebracht. Manche Fetzen werden hier zu wahren Meistern des „Austadelns“.

Der geschlossene Zug geht bis zum Rathaus von Ebensee. Jetzt verteilen sich die Fetzen in den Gasthäusern von Ebensee, wo das amüsante Treiben weiter geht. Die Hartnäckigen unter Ihnen bleiben bis Mitternacht maskiert. Gefeiert wird noch bis in die frühen Morgenstunden des Faschingdienstags.

2. AntragsstellerInnen

Verein Ebenseer Fasching
Obmann: Präsident Johannes Scheck
Oberlangbath, Berggasse 33
4802 Ebensee
0699/103 421 54
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

3. Name des Elements

Ebenseer Fetzenzug
Ebenseer Fetzenfasching
Fetzenmontag
Faschingmontag

4. Beschreibung des Elements

(a) Heutige Praxis

Als Höhepunkt des Ebenseer Faschings treffen sich am Faschingmontag in der Ortschaft Kohlstatt beim Gasthaus Langbathtal (Neuhütte) die „Fetzen“, um ihren traditionellen Fetzenzug abzuhalten. Die Fetzen tragen zu diesem Anlass ein“ Fetzengewand“. Dieses besteht aus alten Frauenkleidern, wo Lumpen („Fetzen“) aufgenäht werden, welche sich im Haushalt einer jeden Familie über das Jahr ansammelten. Der Kopf wird mit einem „Fetzenhut“ bedeckt: dieser Hut hat viele Gestalten, Grundlage ist entweder ein alter normaler Hut oder ein extra aus Karton und ähnlichen Materialien hergestellter. Verziert wir er mit Kunstblumen, bunte Stofffetzen, Stofftiere, Vogelkäfige, ausgestopfte Raubvögel und anderen Accessoires, der Fantasie wird hier keine Grenzen gesetzt. Das Gesicht wird mit einer kunstvoll geschnitzten („geschnegerten“) Holzmaske („Larve“) verdeckt. In der Hand werden noch weitere Utensilien mitgeführt, wie ein alter zerrissener Regenschirm, Reisbesen u.a.

Der Zug formiert sich um 15:00 Uhr. Allen voran stellen sich die Pritschenmeister (Ordnungshüter). Diese einem Harlekin sehr ähnlich gekleidete Ordnungshüter tragen eine „Holzpritsche“ mit sich, mit der sie sich den gehörigen Respekt verschaffen. Dahinter beginnt der eigentliche Zug mit einer örtlichen Musikkapelle (Fetzenmusi). Gespielt wird vorwiegend der „Parapluie-Marsch“, der als „Fetzenmarsch“ zur Hymne der Ebenseer Nationalfeiertage geworden ist. Der Musik folgt die als Fetzen verkleidete Ebenseer Bevölkerung.

Jetzt wird es wichtig, dass die Verkleidung den Träger tatsächlich unkenntlich macht, denn jetzt erfolgt der eigentliche Höhepunkt: Das “Austadeln“. Das Ziel, jedes einzelnen Fetzen ist es nämlich, den Leuten ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung die ungeschminkte Wahrheit und Meinung öffentlich in Erinnerung zu rufen. Das Wort wird nun zur Waffe. Was während des Jahres unterdrückt wurde, wird nun mit verstellter Stimme und spitzen Worten zum Ausdruck gebracht. Manche Fetzen werden hier zu wahren Meistern des „Austadelns“.

Der geschlossene Zug geht bis zum Rathaus von Ebensee. Jetzt verteilen sich die Fetzen in den Gasthäuser von Ebensee, wo das amüsante Treiben weiter geht. Die Hartnäckigen unter Ihnen bleiben bis Mitternacht maskiert. Gefeiert wird noch bis in die frühen Morgenstunden des Faschingdienstags.

(b) Entstehung und Wandel

Die Meinungen, wie lange der Fetzenfasching in Ebensee bereits Bestand hat, gehen weit auseinander. Einige glauben, dass der Brauch schon seit mehreren Jahrhunderten existiert, andere wiederrum meinen, der Brauch sei nicht so alt und entstand erst Anfang des 20igsten Jahrhunderts. Beweise in Form von Bildern scheinen Ende des 19. Jahrhunderts zum ersten Mal auf. Auf diesen Bildern sind bereits Formen, die dem heutigen Fetzen sehr ähnlich sind, zu erkennen. Nach derzeitigem Stand des Wissens, kann man davon ausgehen, dass der Fetzen wie man ihn heute kennt, seit gut 120 Jahren existiert.

Über den Ursprung und den ursprünglichen Sinn des Fetzenzuges gibt es mehrere Vermutungen. Während die einen glauben, der Fetzenzug hat die Ausseer „Flinserl“ zum Vorbild, tendieren Andere zur Auffassung, die sozial niedrigere Schicht nutzte die Verkleidung zur Gesellschaftskritik und parodiert wohlgeordnete und aufwendige Faschingsveranstaltungen der bürgerlichen Klasse um genau das Gegenteil zu tun: einen losen, unorganisierten Umzug in alten Lumpen abzuhalten.

Gut dokumentiert ist der Fetzenzug seit etwa 1900. Zum Maskieren verwendete man alte Alltags Frauenkleider, welche einfach und ohne besonderen Aufwand „geschmückt“ wurden, den Kopf bedeckte ein alter Hut, ein Kopftuch oder eine Haube, das Gesicht wurde mittels einfachen Stoffschleier verdeckt. Die Verkleidung hat sich im Laufe der Zeit sehr stark verändert, wurde vielfältiger und passte sich immer wieder dem Lebensstandart der jeweiligen Zeit an. So wurden mit der Zeit Holzmasken verwendet, eine Zeit lang waren geschminkte Gesichter sehr modern. Trotzdem blieben viele Einzelheiten von den Anfängen erhalten.

Die Ausgangspunkte des Fetzenzuges veränderten sich im Laufe der Zeit. So formatierte sich der Fetzenzug Ursprünglich beim Gasthaus Alpensteig (Steinkogler), als dieses Gasthaus für immer seine Türen schloss, wurde das Gasthaus Wolfsgruber bis zum Jahre 1964 Ausgangspunkt. Seit diesem Zeitpunkt an treffen sich die Fetzen beim Gasthaus Langbathtal (Neuhütte) in der Ortschaft Kohlstatt.

Leider wurden beim Austadeln manchmal auch die Grenzen des guten Geschmacks überschritten, weshalb man sich entschloss, die Pritschenmeister als sogenannte „Fetzenpolizei“ zu installieren. Sie sollten hauptsächlich das „weibliche Geschlecht“ vor Übergriffen schützen. Die“ Pritschenmeister“ sind seit 1954 fester Bestandteil des Fetzenzuges.

In den 1970er und 1980er Jahren setzte sich das mit Stofffransen verzierte Fetzengewand durch. In dieser Zeit baute sich auch der Ruf über Ebensee hinaus auf, der Fetzenzug dient einem zügellosen Alkoholkonsum. Zahlreiche als Fetzen verkleidete nicht Ebenseer kamen und nahmen am Fetzenzug teil. Das Austadeln geriet fast in Vergessenheit, während Alkoholleichen den Fetzenmontag in ein schlechtes Bild rückten. Die lokale Bevölkerung reagierte und organisierte den Fetzenumzug wieder nach altem Vorbild, wo alte Frauenkleider, Fetzenhut, Holzmasken und Pritschenmeister den Fetzenzug prägten. Das Austadeln wurde wieder mehr kultiviert.

5. Dokumentation des Elements

Wiesauer Karl, 1993: „Der Fetzenfasching in Ebensee“; unveröffentlichte Diplomarbeit an der Universität Innsbruck; 140 Seiten.

Gillesberger Franz 1987: „Fasching“ in: „Brauchtum in Ebensee“; Ebenseer Fotoklub. Hsg Traudl Neubacher, Ebensee; Seite 34-53.

Rieder Walter, 2008: „Fasching in Ebensee „Faschingtag, Faschingtag, kim na baid wieda…!“; Hsg Verein IKES; 143 Seiten.

Fellner Johann, 2000: „Ebenseer Fetzenzug“; DVD 5:30 min. Privat

6. Geographische Lokalisierung

Ebensee (Inneres Salzkammergut, Bezirk Gmunden, Oberösterreich)

7. Eingebundene Gemeinschaften, Vereine, Personen und Art ihrer Beteiligung

Bevölkerung von Ebensee

Die Bevölkerung von Ebensee bildet den Fetzenzug, ohne deren Mitwirkung gäbe es keinen Umzug in dieser Form.

Salinenmusikkapelle Ebensee, Werkskapelle Solvay, Feuerwehrmusikkapelle Langwies

Die Musikkapellen leisten jedes Jahr einen essentiellen Beitrag zum Gelingen des traditionellen Fetzenzuges. Die musikalische Untermalung des Zuges ist seit jeher ein Bestandteil des Umzuges.

Maskenschnitzer

Die Maskenschnitzer gewährleisten, dass jeder Fetzen eine Holzmaske (Larve) zum Verdecken seines Gesichtes hat und somit von der Bevölkerung nicht erkannt wir, wenn er seine Sprüche über diese oder jene Person preisgibt.

Fetzengewandnäherinnen

Auch die vielen Fetzengewandnäherinnen die in Ebensee zu finden sind, tragen wesentliches zum Gelingen des Fetzenzuges bei.

IKES: Immaterielles Kulturerbe Salzkammergut, Obmann Dr. Ludwig Wiener, Haiden 311, 5351 Aigen-Voglhub: Interessensvertreter des immateriellen Kulturgutes im Salzkammergut; Schnittstelle zu anderen Kulturträgern und Organisationen; Veranstalter von Symposien, Informations- und Diskussionsveranstaltungen über immaterielles Kulturgut; Multiplikator.

Durch den Verein IKES werden die Weichen zur Nationalagentur für das Immaterielle Kulturerbe gestellt. Weiter unterstützt der Verein IKES den Verein Ebenseer Fasching beim Einreichen und beim Zusammenstellen der Bewerbung für das Kulturerbe „Traditioneller Ebenseer Fetzenumzug“.

8. Risikofaktoren für die Bewahrung des Elements

Leider wird das Brauchtum immer mehr zum Anlass genommen, Alkohol in großen Mengen zu konsumieren und somit gerät der eigentliche Sinn immer mehr aus den Blickwinkel der Beteiligten. Beim Zusammensitzen in Wirtshäusern steht in den meisten Fällen nicht mehr das „Austadeln“ im Vordergrund sondern der Alkohol. Dies ist vermehr bei einem Großteil der Jugendlichen in den ersten Jahren ihrer Fetzenkarriere zu erkennen.

Auch die Beteiligung am Fetzenzug der einheimischen Bevölkerung ist in den letzten Jahren sehr zurück gegangen. Dies hat mehrere Gründe. Einige sagen sich, es reicht am Abend in das Fetzengewand zu schlüpfen und in den vielen Lokalitäten, die zu Fasching in Ebensee geöffnet haben, dabei zu sein. Wieder andere meiden den Umzug aus dem Grund, da sie glauben, zu wenig über die Ebenseer zu wissen und so den eigentlichen Zweck, „das Austadeln“ nicht angemessen praktizieren zu können.

Viele haben auch durch deren Elternhaus zu wenige Informationen über das „Fetzengehen“ erhalten und können oft daher keine Beziehung zu diesem Brauch aufbauen.

9. Bestehende und geplante Maßnahmen zur Erhaltung und kreativen Weitergabe des Elements, z. B. im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung, etc.

Mit der Aufnahme in die Liste als schützenswertes immaterielles Kulturerbe der UNESCO will man die Ursprünglichkeit, den Sinn, die Schönheit und die Eigenständigkeit des traditionellen Ebenseer Fetzenzuges hervorheben.

Mit der Gründung eines eigenen Faschingvereinsvereins ist die Bewahrung und Weitergabe der ausschließlich mündlichen Überlieferung des Fetzenmontagbrauchs gut abgesichert. Dieser Verein ist auch im allgemeinen Gesellschaftsleben der Region eingebunden und kann sich so auch nach außen darstellen. Dadurch kann das Interesse für die Jugend geweckt und die Tradition weitergegeben werden.

Den wichtigsten Beitrag zur Erhaltung und Weitergabe dieser Tradition leistet die Familie. Denn, jedes einzelne Mädchen und jeder einzelne Junge werden zu 90% von deren Familien in das Brauchtum integriert und werden somit neue Brauchtumsträger, die den Erhalt dieser originellen Tradition gewährleisten.

Die Trachtenmusikkapelle Jainzen marschiert jeden 1. Mai in die Ortschaft Jainzen, die sich im Gemeindegebiet der Stadt Bad Ischl befindet, um einen musikalischen Gruß an die Bewohner zu bringen.

Der Weckruf dient aber auch um Geldspenden zu sammeln, um die Fortbestand der Trachtenmusikkapelle Jainzen gewährleisten zu können. Darüber hinaus bestreitet die Trachtenmusikkapelle Jainzen drei weitere Weckrufe in den Ortschaften Oberkreutern, Unterkreutern und Pfandl.

Beschreibung des Elements:

a) heutige Praxis

Der Weckruf beginnt um 05:30 beim Musikheim der TMK Jainzen in Kreutern und geht in Richtung ehemaliges Gasthaus „Hobel Tenne“ in die Ortschaft Jainzen. Bei jedem Haus wird mit der gesamten Trachtenmusikkapelle stehen geblieben und der Familie des Hauses einen Marsch gespielt. So führt der Weg der Trachtenmusikkapelle Jainzen durch die gesamte Katastralgemeinde Jainzen und zurück zum Musikheim. Dieser Tag ist sehr anstrengend für alle Musiker/- innen und endet erst gegen 14:00 Uhr.

Alle weiteren 3 Weckrufe beginnen ebenfalls um 05:30 Uhr und werden mit einem kirchlichen Anlass verbunden. Beim Weckruf Oberkreutern, (Sonntag von HL. Florian), wird durch die Katastralgemeinde Haiden marschiert und genauso abgehalten wie beim Weckruf Jainzen. Der Weckruf endet bei Feuerwehrdepot der freiwilligen Feuerwehr Pfandl und die Trachtenmusikkapelle Jainzen begleitet die freiwillige Feuerwehr Pfandl vom Feuerwehrdepot zur Kirche in Pfandl und veranstaltet gemeinsam den festlichen Akt.

Beim dritten Weckruf wird durch das Gebiet Unterkreutern marschiert. Hier ist auch derselbe Ablauf wie bei den vorherigen Weckrufen und endet beim katholischen Pfarrheim in Pfandl. Dort werden die Erstkommunionkinder abgeholt und mit klingendem Spiel zur katholischen Kirche in Pfandl gebracht. In der Kirche wird dann der feierliche Aufzug für die Erstkommunikanten gespielt.

Beim vierten und letzten Weckruf der Trachtenmusikkapelle Jainzen führt uns der Weg durch die Wohnsiedlung in Pfandl. Auch hier werden wir von der Bevölkerung herzlich empfangen. Dieser Weckruf endet um halb zehn bei der katholischen Kirche in Pfandl. Die Trachtenmusikkapelle Jainzen wirkt danach bei der Fronleichnamsprozession in Pfandl mit.

b) Entstehung und Wandel

Die Trachtenmusikkapelle Jainzen ist im Jahre 1893 von vier Jungen Musikanten aus der Ortschaft Jainzen gegründet worden. Durch die erschwerte finanzielle Situation in der Monarchie und den hohen Kostenanteil der Uniformen und Instrumente wurde der Weckruf nach Jainzen im Jahre 1913 begonnen. Dabei spendete jeder Bürger nach einem Marsch der Musikkapelle Geld und so wurde dies zu einer der Haupteinnahmequelle um den laufenden Musikbetrieb erhalten zu können. Es war damit kein Problem mehr, Musikanten und später dann Musikantinnen in die Kapelle aufzunehmen. Selbst in Zeiten der beiden Weltkriege wurde der Weckruf so weit wie möglich aufrecht erhalten.

Seit dem Bestehen des Weckrufes der Trachtenmusikkapelle Jainzen war der Abschluss des langen Musiktages beim Gasthaus Hobel Tenne. Seit dem Jahr 2011 wird der Ausklang mit Essen beim Musikheim gemacht, da das Gasthaus für immer den Gastbetrieb eingestellt hat. Die Weckrufe werden genau so, wie es uns unsere Musikahnen vorgelebt haben, weitergeführt.

Eingebundene Gemeinschaften, Vereine, Personen und Art Ihrer Beteiligung

Das Hauptaugenmerk Trachtenmusikkapelle Jainzen liegt bei der Bevölkerung von Jainzen, Ober- und Unterkreutern und Pfandl. Nur diese ermöglichen es, durch ihre finanzielle Unterstützung, den laufenden Musikbetrieb zu erhalten. Weiters sind auch durch die Tradition gewachsene Synergien mit der katholischen Kirche und die freiwillige Feuerwehr in Pfandl ausschlaggebend. Ohne diese Synergien gäbe es kein so reiches kulturelles Leben in dieser Region. Aber was wäre diese Kultur ohne Bevölkerung und ihre rege Teilnahme daran.

Diese ist belegt durch:

1) Pfarre Pfandl: Pfarrer Johannes Schlosser und Diakon Alois Wiesauer

2) Bürgermeister der Stadt Bad Ischl: Hannes Heide

3) Die freiwillige Feuerwehr Pfandl: Kommandant Stefan Schiendorfer

Risikofaktoren für die Bewahrung des Elements:

Ein möglicher Risikofaktor kann der fehlende Nachwuchs der Trachtenmusikkapelle Jainzen sein. Dies ist in den nächsten Jahren aber unwahrscheinlich, da die Musikkapelle ihr Hauptaugenmerk auf die Jugendakquirierung und Jugendausbildung setzt. Dazu werden viele Maßnahmen, wie Schulbesuche und Kinder- und Jugendfest, im Musikjahr umgesetzt.

Auch ein nicht unwesentlicher Faktor kann die Bevölkerung spielen: Wenn diese Tradition in den Augen vieler Jungen Menschen keine Bedeutung mehr findet und die Türen vor den die Trachtenmusikkapelle Jainzen spielt, verschlossen bleiben.

Bestehende und geplante Maßnahmen zur Erhaltung und kreativen Weitergabe des Elements, z.B.: im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, Bewusstseinsbildung, etc.

Die Weckrufe haben sich in den letzten 100 Jahren stark in das Leben der Bevölkerung verwurzelt und gehört für jeden einzelnen Menschen zu seinem persönlichen Leben und Tradition dazu. Die Aufnahme in die nationale Liste der immateriellen Kulturgüter in Österreich würde die Bedeutung dieser wichtigen Tradition besonders unterstreichen.

Der Aberseer "Schleinig" ist ein Urtanz, den schon unsere Ahnen und Urahnen tanzten. Er wird nicht nur in Vereinen, sondern von der ganzen Bevölkerung, egal ob alt oder jung, getanzt. Bei heimischen Hochzeiten darf dieser Tanz nicht fehlen.

"Schnecke", die sich immer kleiner zusammenzieht, wobei Gstanzl gesungen werden. Danach wird wieder paarweise getanzt (die Männer meist im Zweierschritt und die Mädchen im Polkaschritt).

Und so klingt der "Schleinig" aus.

Weitere Name des Elements: Schleiniger, Wadlschindta, Aberseer Schleinig, Hochzeitstanz

Heutige Praxis

Ausgangsstellung: Mehrpaartanz im Kreis, Tänzerin zur Rechten des Tänzers, beide mit der Front in Tanzrichtung.

Fassung: die inneren Hände sind gefasst; bei gebeugten Ellbogen hält der Tänzer den Unterarm der Tänzerin mit seinem leicht an sich gepresst, so dass sie bei gefassten Händen bei ihm eingehängt ist. Die Linke jedes Tänzers ruht auf der linken Schulter des Vordermannes, nur zwischen dem Vortänzer und dem vor ihm befindlichen Tänzer besteht diese Verbindung nicht, hier ist der Kreis offen.

Schrittart: Mit jedem Takt 1 Schritt, bei dem die Ferse des Spielbeines gegen das Gesäß hochgeführt wird, wobei die Sohle des Standbeines an den Boden gebunden bleibt, doch im Kniegelenk gefedert wird. Das "Anfersen" wird von den Tänzerinnen nur angedeutet.

Tanzbeschreibung

Aufführen: 16 bis 32 Takte, immer 8 Takte mit, 8 Takte ohne Gesang

Mit den äußeren Füßen beginnend, bewegen sich die Paare in Tanzrichtung vorwärts; mit dem letzten Takt gelangen die Tänzerinnen durch eine halbe Innendrehung zu entgegen gesetzter Frontstellung. Eingangsgstanzl:

"A Schleining, a Schleinig, a Schleinig muaß sei,

Da tanzt ma koa talkata Jagasbua drei."

Aufsitzen: 8 Takt mit Gesang

Die nun inneren Hände werden gefasst. Die Tänzer nach rückwärts, die Tänzerinnen vorwärts ausschreitend, bewegen sich alle gegen die Tanzrichtung weiter, wobei mit folgendem Gstanzl die nächste Figur angekündigt wird:

"A Sprung über's Gasserl, an Juchizer drauf.

Bist a lustiga Teifelsbua, dir mach i auf."

Mit dem 8. Takt tritt jeder Tänzer näher an die Tänzerin heran, wobei er kräftig aufstampft und auf diesem rechten Standbein durch enie Achtel-Linksdrehung zur Schrägstellung gelangt. Schwungholend hat er dabei das gebeugte linke Spielbein, Knie an Knie, an das Standbein herangezogen und schleudert, sich dabei von rechts abstoßend, das sich streckende linke Bein in Sprungrichtung vor ...

Z'sammspringen: 8 Takte

Mit dem 1. Takt kommt jeder Tänzer in Schrittlänge schräg gegen die Kreismitte zu stampfend auf beiden Füßen nieder, macht mit dem 2. Takt rechts einen Schritt auf den Absprungplatz zurück, wobei er wieder das linke Spielbein gebeugt heranzieht, um es dann schwunggebend vorzuschleudern u.s.f.

Es erfolgen also mit dem 1., 3., 5. und 7. Takt beidbeinig stampfende Niedersprünge, mit dem 2., 4., 6. und 8. Takt 1 Schritt rechts auf den Ausgangsplatz zurück. Die Fassung mit der an Ort verbleibenden Tänzerin wird beibehalten. Mit dem letzten Schritt im 8. Takt kommt der Tänzer durch eine Achtel-Rechtsdrehung auf dem rechten Fuß zur rechtsschultrigen Nebeneinanderstellung mit der Tänzerin, alle Fassungen werden gelöst.

Umidreher: 16 Takte

Geschlossene Rundtanzfassung. Heftig kreisend, bewegt sich jedes Paar, am Ort verbeleibend, mit dem Uhrzeiger um den gemeinsamen Mittelpunkt, wobei mit jedem Takt ein Hüpfschritt erfolgt, bei dem das Knie des jeweiligen Spielbeines, bei der Tänzerin nur mäßig, beim Tänzer so hoch gegen die Brust angehoben wird, dass Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden.

Mit dem vorletzten Takt wird die Fassung gelöst. Jeder Tänzer, Front der Kreismitte zugekehrt, stößt sich vom linken Bein ab und kommt mit dem letzten Takt stampfend auf beide Füße nieder (Schlusssprung):

Singen und Paschen: 64 Takte

Die Tänzerinnen, immer je zwei mit geschlossener Rundtanzfassung, bewegen sich paarweise mit dem Uhrzeiger drehend, mit drei kleinen Schritten pro Takt im Außenkreis in Tanzrichtung herum. Bei einer ungeraden Zahl werden keine Paare gebildet, mit nur einem Schritt pro Takt dreht jede Tänzerin allein in Tanzrichtung vorwärts.

Für die Tänzer erfolgen:

8 Takte Singen (= Ansingen zum Paschen)

8 Takte Paschen

8 Takte Singen

8 Takte Paschen

8 Takte Singen

24 Takte Paschen (= Durchipaschen)

Beim 1. Singen

"Buam, stellt's enkh z'samm im Kroas, i sag enkh, was i woaß,
kennt's enkh a Pfeiferl an, wer raukha kann."

Beim 2. Singen

"Schmeiß i mein Huat in Bach, schwimm eam glei söiber nach,
weu mi mei alter Schatz a neamma mag."

Dabei nimmt der eine oder andere seinen Hut vom Kopf und wirft ihn vor seine Füße, mit der 4. Zeile wird er aufgehoben und wieder aufgesetzt.

Sollten die Musikanten in ein zu rasches Tempo geraten sein, werden sie durch folgendes Gstanzl darauf aufmerksam gemacht:

"Lost's nur grad d'Musi an, wia s' musiziern.
I muaß selbm drüba lacha, mei herschz tuat si rührn."

Beim 3. Singen

"Wo is denn mei Diandl, wo is denn mei Schatz?
Auf'n Bergl steht s' drobm und a Almhütterl hat s'."

oder

"Wann i mein Huat aufsetz, dann is mei Haupt b'deckt.
Wann i an Schnackler tua, is mei Schatz g'weckt."

Paschen: Festgelegt ist meist nur das Klatschen des Vor- und Zuhipaschers, wobei alle im Kreis vorpaschen und einer "doppelt", also zuhipascht.

Die Vorpascher klatschen jedes 1., 3. und 5. Achtel, der Zuhipascher klatscht jedes 2., 4. und 6. Achtel.

Beim 1. und 2. Mal Paschen: jeweils 8 Takte. Im 8. Takt wird nur das 1. Achtel geklatscht.

Beim 3. Mal Paschen: Die ersten 8 Takte werden wie die vorigen Paschtakte durchgeführt. Die nächsten 8 Takte werden "hohl", d.h. mit gewölben Handrücken, was einen dumpfen und leiseren Schall ergibt, geklatscht; die letzten 8 Takte werden besonders laut wieder mit ganzer Handfläche gegen Handfläche geklatscht. "Haut's zua!" ermuntert der Vortänzer seine Partner. In dieser 16-taktigen Periode wird der 8. Takt gleichwertig mit den vorhergehenden Takten geklatscht.

Mit Schluss des Paschens muss jede Tänzerin mühelos bei ihrem Partner angelangt sein.

Nun folgt entweder:

Umidreher (= 4. Figur)

oder

Aufsitzen und Z'sammspringen (= 2. und 3. Figur)

Gegen Schluss der vorhergehenden Figur sagt der Vortänzer an: "A(n)hänka zum Schneckn!", worauf alle Fassungen gelöst werden und sich die Tänzerinnen rasch, wie die Tänzer mit der Front in die Tanzrichtung, hinter ihren Partneren zu einem einfachen Flankenkreis einreihen. Die Hände werden durchgefasst, doch nicht zwischen dem Vortänzer und der vor ihm befindlichen Tänzerin. Jeder Tänzer legt bei gebeugtem rechten Ellbogen seine Rechte mit der gefassten Linken seiner Partnerin auf seinen Rücken, die anderen Arme bleiben gestreckt. Alle Oberkörper sind etwas nach außen gedreht.

Schnecken-Eindrehen: Taktanzahl nach Belieben

Um für die Schnecke mehr Raum zu gewinnen, führt der Vortänzer die Kette erst ein wenig in Tanzrichtung vorwärts und biegt sodann nach rechts außen - oft in Harnadelkurven - gegen den Rand des Tanzplatzes ab. Nun führt er mit dem Uhrzeiger in einer Spirale gegen den Mittelpunkt zu und dreht die Schnecke so eng als möglich ein.

Sobald er im Mittelpunkt angelangt ist, vollführt er eine halbe Linksdrehung und löst die Schnecke im Gegenzug auf, zieht schließlich unter dem durch die hochgehaltenen Hände des letzten Paares gebildeten Tor durch und wendet wieder in die Tanzrichtung.

Beim Eindrehen der Schnecke wird jede zweite 8-Takt-Folge von den Tänzern gesungen. Das anfängliche Gehen mit Anfersen steigert sich allmählich zu verhaltenen Hüpfschritten.

Auslaufen: Taktanzahl nach Bedarf, außerhalb des Tanzraumes ohne Musik. Wenn die Tänzer im Tanzsaal auftauchen, setzt die Musik wieder ein.

Mit Hüpfschritten führt der Vortänzer die Kette beliebige Wege durch den Tanzraum, durchs Vorhaus, durch Küche und andere Räume, nach Lust und Laune ins Freie hinaus, wobei er mitunter den Weg durch ein Fenster nimmt, um das Haus herum, ja manchmal sogar durch einen Teil des Ortes.

Seitdem aber vor einigen Jahren das letzte Mädchen der Kette von einem Auto erfasst und tödlich verunglückte, ist das Auslaufen durch den Ort polizeilich verboten.

Wieder in den Tanzraum zurückkehrend, führt er die Kette in Tanzrichtung zu einem Kreis. Mit der Front zur Kreismitte springen auf den vorletzten Takt einer 8-taktigen Periode alle Tänzer ab und kommen beidbeinig stampfend zu einem Stirnkreis zusammen.

Singen und Paschen (= 5. Figur): Meist aber entfallen das Singen und das erste und zweite achttaktige Paschen und nur das dritte Paschen (= 24 Takte) wird durchgeführt.

Umidreher (= 4. Figur): Es ist aber auch üblich, nach der 9. Figur (= Singen und Paschen) Figur 2 (= Aufsitzen), sodann Figur 3 (= Z'sammspringen) und dann erst als Abschluss Figur 10 (= Umidreher) zu tanzen.

Die Melodie und die Gstanzln sind variabel!

Entstehung und Wandel

Entstehung aus dem im steirischen, inneren oberösterreichischen Salzkammergut und Rußbacher / Abtenauer Gebiet üblichen Schleunigen. Diese wurden als Kreistänze zu Hochzeiten, Schützengesellschaften, Tanzveranstaltungen u.A. gespielt und getanzt.

Der Schleunige ist wahrscheinlich die im Salzkammergut älteste überlieferte Spiel- und Tanzform. Er existierte vor den "Steyrischen" und "Landlertänzen" (siehe Schmalnauer).

Im Gebiet um den Wolfgangsee wurde er sehr gerne bei (Bauern-)Hochzeiten gespielt und getanzt. Besonders beliebt war und ist die Kombination Landler – Schleinig (d.h. wenn ein Landler gespielt und getanzt wird folgt unmittelbar darauf – ohne Pause – der Schleinige). Je nach Hochzeitsgästen und Vortänzer, gestaltete sich der Tanzablauf individuell, wobei aber das Grundgerüst (Tanz, Einspringen, Kettenform, Gesang und Paschen) unverändert beibehalten wurde.

Als "Aberseer Schleuniger" erstmals Erwähnung fand der Tanz 1933 von R. Wolfram. Dieser beschreibt den Tanz im Aufsatz "Salzburger Volkstänze", wie er ihn bei einer Vorführung beim Vietzbauern aufgezeichnet hat. Die Beschreibung des Tanzes entspricht im Wesentlichen der derzeitigen Praxis.

Mit der Gründung der Trachtenvereine (ab 1948 d´Stoaklüftla, später d´Aberseer) wurde der Schleinige auch als Vorführtanz anlässlich von Heimatabenden, Festen, Vorführungen außerhalb der Region aufgeführt. In dieser Zeit verfestigte sich das jetzige Erscheinungsbild.

Dokumentation des Elements

PETER, Ilka: Salzburger Tänze, 2. Auflage 1988, Verlag Alfred Winter, Salzburg.

Videoaufnahme

WOLFRAM, Richard: Salzburger Volkstänze, in: Wiener Zeitschrift für Volkskunde 38 (1933), S. 85-101.

ZODER, Raimund: Die Melodien des Schleunigen-Tanzes, in: Das deutsche Volkslied 43 (1941), S. 49-56 (Teil 1), S. 75-79 (Teil 2) und S. 112-117 (Teil 3).

Im Rahmen der Vereinstätigkeit werden immer wieder die jungen Mitglieder in die Vorführungen eingebunden. Bei traditionellen Hochzeiten wird immer darauf geachtet, dass der Aberseer Schleinige zum Tanz gespielt wird.

Mit der Aufnahme in die Liste als schützenswertes immaterielles Kulturerbe der UNESCO will man auf die Erhaltungswürdigkeit des Aberseer Schleinig des Aberseer Schleinigen aufmerksam machen.

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